Herzlich Willkommen

Ich freue mich, dass Sie mich auf meiner Homepage besuchen.

Hier lasse ich Sie teilhaben an meiner sportlichen Karriere und am Rausch der Geschwindigkeit bei meinen exklusiven Bobevents.

Viel Spaß,

Biografie

Ich wurde im Eiskanal groß

Um Euch etwas mehr über mein Leben erzählen zu können, gehen wir ins Jahr 1977 zurück, in dem die Weichen meiner Sportlerlaufbahn gestellt wurden. Es begann eigentlich ganz harmlos. Als ich Neun war, tauchte in unserer Klasse beim Schulsport ein Mann auf, der „Talente“ fürs Rodeln suchte. Wir mußten ein paar Athletik- und Koordinationstests machen. „Ob ich das mal probieren will“ meinte er und kurze Zeit später saß ich zum ersten Mal auf einem Schlitten in der Naturbahn von Schierke - und von da ab lies es mich nicht mehr los.

Rodeln ist Tradition in meiner Heimat, dem Ostharz - übrigens eine wunderschöne bergige Gegend in der ehemaligen DDR. Dort wurde ich auch am 29. Januar 1968 als drittes Kind meiner Eltern geboren. Mit der Entdeckung des Rodelsports hatte ich etwas gefunden, das mir wirklich Spaß machte: Die Geschwindigkeit, das Adrenalin, die Beherrschung des Geräts. Ich konnte mich dabei richtig ausleben und entwickelte schon als Kind den festen Willen, im Rodelsport einmal was Besonders zu erreichen. Werner Stollberg, Trainer des „Armeesportvereins Halberstadt“ trug maßgeblich dazu bei. Etwa dreimal pro Woche brachte er uns bei, was man als „Rennrodler“ alles beherrschen mußte: Koordination, Athletik, Technik und Materialkenntnis, schließlich auch kontinuierliches Training - und so entdeckte ich immer mehr die Faszination der Schnelligkeit auf dem Eis. 1979 ging ich dann auch zum ersten Mal auf die Kunsteisbahn nach Oberhof.

Sportinternat und erste Erfolge

Sport wurde in der ehemaligen DDR erheblich gefördert, in unserer Heimat genoß er einen besonders hohen Stellenwert. 1981 wurde
ich in eine unserer damaligen Eliteschulen des Sport aufgenommen, die „Kinder - und Jugensportschule“ in Oberhof/Thüringen. Für mich bedeutete das Internat eine Zeit der Disziplin. Jeden Morgen um sieben ging es los, den halben Tag Schule, die andere Hälfte Training. Abends blieb nur Zeit für Hausaufgaben, nur alle vier Wochen konnte ich mal nach Hause. Acht Jahre verbrachte ich im Internat, unsere Klasse schrumpfte dabei ständig. Beim Abitur waren von 28 Schülern in der Klasse nur vier übrig. Zu meinem Jahrgang gehörten der Biathlet Frank Luck und die Doppelsitzer-Rennrodler Stefan Krause und Jan Behrend. Während der Schulzeit hatte ich an landesweiten Wettkämpfen der DDR teilgenommen.

Durch gute Plazierungen gelang mir schließlich der Einstieg in die Junioren-Nationalmannschaft und der Weg für internationale Wettkämpfe wurde frei. 1985 kam ich erstmals zum Königssee nach Berchtesgaden, wo ich den dritten Platz bei der Junioren-WM belegte. Von nun an ging es Schlag um Schlag vorwärts, 1986 Silber bei der Junioren-WM, 1987 Silber bei der Junioren-EM und
schließlich holte ich als Höhepunkt meiner DDR-Laufbahn 1989 in Winterberg den Weltmeistertitel im Rennrodeln.

Nach der Wende

Daß unsere Schicksalhafte Mauer am Bröckeln war, hatte ich zwar geahnt, vor lauter Training aber kaum mitbekommen. Als sie fiel, befanden wir uns gerade in Westdeutschland - im sauerländischen Winterberg. Mittlerweile hatte ich mein Abi gemacht und war 1987 als Sportsoldatin in die „Nationale Volksarmee“ (NVA) aufgenommen worden. Zwei Jahre lang absolvierte ich an der Uni Leipzig ein Fernstudium der Bibliothekswissenschaften, zur Wende wurde der Fachbereich leider aufgelöst. Von der „Bundeswehr“ wurde ich zunächst nicht übernommen, da das Thema „Frauen“ damals noch tabu war, aber man kam zu einer fairen Lösung: Ich wurde 1990 Zivilangestellte der Bundeswehr und konnte in dieser Zeit mit dem BSR Rennsteig Oberhof uneingeschränkt trainieren. Das lohnte sich, denn 1991 wurde ich zum zweiten mal Weltmeisterin im Rennrodeln.

Erste Sportsoldatin der Bundeswehr

Im April 1992 konnte ich schließlich doch noch bei der Bundeswehr einsteigen - zwar nicht mehr als Oberfeldwebel, wie ich es zuletzt bei der NVA war, sondern zunächst als Sanitätssoldatin. Nach meiner Grundausbildung wurde ich in die Sportfördergruppe bei der Bischofswieser Gebirgsjägerkaserne aufgenommen. Ich war tatsächlich die erste „Sportsoldatin“ der Bundeswehr geworden, zudem konnte ich nun uneingeschränkt trainieren, und das im Rahmen der Sportförderung, die Top-Leistungssportlern heute durch die Bundeswehr zuteil wird.

Im gleichen Jahr holte ich auch die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen von Albertville. 1994 fand die Winterolympiade in Lillehammer statt, hier gelang mir mein bislang größter Olympiaerfolg: Die Silbermedaille. 1997 machte man mich schließlich zur „Berufssoldatin“ - also auf Lebenszeit. Im Sportbereich bin ich auch hier bis heute die einzige. Kurz zuvor hatte ich 1997 den dritten Weltmeistertitel meiner Laufbahn erreicht. Ein Jahr später war wieder Olympia angesagt, dieses mal im japanischen Nagano. Ich erreichte den vierten Platz, auch bei der WM im Folgejahr wurde ich vierte. Ich machte mir Gedanken über eine neue Herausforderung, denn beim Rodeln war für mich die „Luft raus“. Zur Saison 1999/2000 stieg ich in den Zweierbob um.

Ein neuer Start im Zweierbob

Nun war das Thema „Bob“ natürlich absolute Männerdomäne, aber wer in der Geschichte zurückblickt wird sehen, daß schon um 1885 in der Schweiz Frauen teilweise sogar zu fünft auf einem Bob fuhren und sogar an Wettkämpfen teilnahmen. 1923 wurde in Paris unser Weltverband „FIBT“ gegründet (Fédération Internationale de Bobsleigh et de Tobogganing“). Dabei beschlossen die Delegierten - allesamt Männer - Frauen von Meisterschaftsrennen prinzipiell auszuschließen. Erst 1995 erlaubte die FIBT wieder Meisterschaftsrennen für Frauen und legte damit den Grundstein für eine aufsteigende Disziplin und eine größere Auslastung der Bahnen in aller Welt. Die Einführung des Damenbobsports zu den olympischen Spielen in Salt Lake City wurde schließlich durch das IOC im Oktober 1999 gefällt, die ehemalige Bobsportlerin Erica Fischbach trug von Deutscher Seite maßgeblich dazu bei. Vor Olympia 2002 gab es viele Skeptiker, die Kritiker sahen die Extreme des Bobsports für Frauen als nicht beherrschbar an, aber daran störte ich mich nicht - ich kannte die Eiskanäle der Welt seit 15 Jahren. Als ich während der Saison 1999/2000 erstmals öffentlich den Königsseer Eiskanal im „Spurbob“ beim Weltcup der Herren hinuntersauste, erntete ich manch skeptischen Blick meiner männlichen Sportkameraden. Aber wir Frauen waren im Kommen! Waren es 1999 nur sechs teilnehmende Weltcup-Nationen, so haben wir heute über 20. Der Stellenwert und das Niveau hat deutlich zugenommen, etwa 150 Frauen sind derzeit im Bobsport weltweit aktiv, wir bestreiten 10 Weltcuprennen, eine Deutsche Meisterschaft, eine Europameisterschaft und eine Weltmeisterschaft pro Saison. Der neue Sport warf mich aber auch in eine bislang ungewohnte Situation: Ich war plötzlich völlig eigenständig für das Management, die Erlangung von Sponsorengeldern, mein Team und meine Ausrüstung verantwortlich - eine komplexe Aufgabe, die aber inzwischen mit etwas Erfahrung durchaus zu bewältigen ist.

Gestärkt in die Zukunft

Die harte Aufbauarbeit, das völlig neue Training anderer Muskelgruppen, das mechanische Wissen um das richtige Tuning des Bobs und die Auswahl der idealen Kufen hat sich bezahlt gemacht: 2002 wurden wir Gesamt-Weltcupsieger, im selben Jahr holte ich mit Nicole Herrschmann hinter Sandra Prokoff und Jill Bakken Olympiabronze und im Februar 2003 mit Anne Dietrich den vierten Weltmeistertitel meiner Karriere, 2004 mit Kristina Bader den fünften - mittlerweile in zwei Sportarten. Gemeinsam mit den deutschen Teams von Sandra Prokoff und Cathleen Martini stehen wir nun an der Weltspitze. Die Zeitabstände zwischen den Teams werden immer enger - der Damenbobsport ist professioneller und härter umkämpft und es wird beim disziplinierten Training bleiben müssen, wenn wir die Erfolgserie auch weiterhin fortsetzen wollen. Alles in allem - eine faszinierende Sportart, die ich mindestens noch bis zu den Olympischen Spielen von Turin im Jahr 2006 fortführen will.